Test Naish Bullet 8,8m² 2015

Wer kennt es nicht? Sommer, Sonne und über 30°C sowie nur um die 10 Knoten mit Böen. Würde man auch diese Tage nutzen können, hätte man eine erheblich bessere Ausbeute an Windtagen von gefühlten +20%.


Nach dem ich eher wavelastig kleinere Boards und Segel fahre, führte vorstehende Überlegung in der Vergangenheit über ein Neil Pryde Solar mit 7,0m² zu einem RRD Evolution 8,0m².
Doch immer, wenn Ende 3 Anfang 4 Bft. das RRD kurz vorm Gleiten war, merkte ich, dass die Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft waren. Bislang hatte ich mich wegen des Aufbaus immer gegen ein Camber-Segel gewehrt. Auch wollte ich keine 2,40m Race-Gabel fahren, präferiere ich wie die Meisten doch Gabellängen zwischen 1,50 und 1,70m; ebenso wenig sollte die Segelanschaffung den Erwerb eines weiteren 5m-Masten nach sich ziehen.

Inspiriert durch den 2015er Test um Juli Heft der Surf bestellte ich kurzerhand das Naish Bullet 8,8m² 2015, das mit Luff 460+30cm und 218cm Gabellänge perfekt zu meinem bisherigen Material passte.

Da der leichte Aufbau gelobt und auch in der Surf erklärt wurde, machte ich mich an denselben.
Erst Unterliek spannen, dann Gabel ansetzen, Achterliek durchziehen, Unterliek auslassen, Camber einsetzen und Unterliek durchziehen – soweit die Theorie. Dem ist auch so und wenn man den Bogen heraus hat, baut sich das Segel fast so schnell, wie ein Konventionelles auf.
Der alles entscheidende Trick besteht darin, vor dem Einsetzen der Camber am Unterliek so viel Spannung zu lassen, dass die Camber gerade noch hinein gehen, aber nicht mehr heraus springen. Hat man diese Erkenntnis gezeitigt und mit dem entsprechenden Touch umgesetzt, geht es wirklich leicht.

Endlich auf dem Wasser konnte ich gestern bei phantastischen Bedingungen bei 38°C, 10 bis 12, später 12 bis 16 Knoten das Segel auf dem Rhein testen. Rhein bedeutet je nach Schiffsverkehr, alle 30 bis 50 Sekunden halsen, so dass man bei gefahrenen 32 km auch einen guten Eindruck von den Rotationseigenschaften erhält.

Und tatsächlich: Das Gewünschte trat ein. Das Bullet montiert auf meinem schnellen 2014er Tabou Rocket LTD mit 135 Litern versetzte das Boards nach kurzem Anpumpen bei echten Leichtwindbedingungen solide ins Gleiten und beschleunigte dicht geholt sehr gut. „Benchmark“ war ein Rider mit 7,5m² ohne Camber, der im Vergleich fast zu stehen schien.
Die Traumbedingungen verbesserten sich windseitig am späten Nachmittag weiter bis hin zu bei Windfinder gemessenen 16 Knoten – gefühlt noch mehr – so dass ein normale Segel dieser Größe kaum noch zu kontrollieren gewesen wäre; man hätte eine Zeit lang gut 5,8m² fahren können. Anders das Bullet: Wie eine Wand stand der Flügel von Naish gegen den Wind, der Druckpunkt stabil und mit jedem weiteren Dichtholen mehr Tempo bis deutlich über 43 km/h, die bei den überschaubaren Beschleunigungswegen doch recht stattlich erscheinen.Jump

Das Handling darf für ein Segel dieser Größe als durchaus angenehm beschrieben werden. Auch wenn man keine Duck Jibes mit einem Camber Segel fahren sollte, rotieren die Camber in den Halsen gut. Fehlt der Wind, hilft ein leichter Kung-Fu-Tritt dagegen.

Mit einem UVP von €1.099 ist das Segel sicher kein Schnäppchen, wobei die 2015er Preise bereits zu fallen beginnen. Dennoch lohnt sich die Anschaffung, möchte man mehr aus dem Wind machen und/oder mehr Surftage auch bei Leichtwind generieren.

Und wie sagt der Namensgeber des Segels: 

A day on the water is a good day.

GER-619

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